Sie sind hier: » Ilfeld » Geschichten & Sagen » Die Sage vom Nadelöhr Ilfeld, 05.02.2012  
 
 

Die Sage vom Nadelöhr

In alten Zeiten, als die Handels- und Fuhrmannsleute noch von Pferden gezogene Karren benutzten, um auch in entlegenen Harzdörfern ihre Waren feil zu bieten, verlief durch Ilfeld eine alte Handelsstraße. Von dieser zweigt der Goetheweg ab, auf dem der Herr Geheimrat von Goethe bei seiner ersten Harzreise im Jahre 1777 zu Pferde mit Foto: Nadelöhreinem Mantelsack in den Harz hinein ritt.

Dieser besagte Goetheweg führt an einem Felsblock vorbei, der eine enge Spalte hat. Die Sage erzählt von diesem Felsblock, dass ihn einst ein Riese aus dem Schuh geschüttet habe, weil der Block darin so drückte.

Alle Fuhrleute, Händler und auch Waldarbeiter, die Holz aus dem Walde holen wollten, mussten an diesem Stein vorbei. War nur ein Fuhrknecht neu eingestellt, so war es Brauch, dass er auf seiner ersten Fahrt unter dem Johlen und Lachen seiner Kameraden durch diesen engen Felsspalt kriechen musste. Hinter ihm standen die anderen Knechte und halfen mit ihren Peitschen nach. Konnte der Neue seinen Kameraden einen Taler bezahlen, brauchte er sich nicht hindurchzwängen. Davon erzählt dieses überlieferte Gedicht.

 

Der Knecht muss durchs Nadelöhr

Bei Ilefeld, da liegt ein Stein,
Hat durch und durch ein Öhr,
Da ist ein Bauch, der ist nicht fein,
Und doch lustiert er sehr.
Der Amtmann will, er soll nicht sein,
Allein, was hilft ihm Droh´n und Schrei´n ?

Kaum fährt ein neuer Knecht in´s Holz,
Flugs greifen die and´ren ihn.
Er muss sich, sei er noch so stolz,
Durch dieses Öhr bemüh´n.
Er kriecht, sie hau´n und schreit der Knecht,
So ist´s den and´ren eben recht.

Kauft er sich aber los mit Geld,
So braucht er nicht hinein.
Doch tut er´s nicht, so muss der Held
drei mal so durch den Stein.
Dann ist er ein gemachter Mann,
Der and´re wieder hauen kann.
 

Graf Elger von Hohnstein und das Nadelöhr

Oft existieren verschiedene Überlieferungen durch den Volksmund über bestimmte Stätten oder Ereignisse - so auch über das Nadelöhr.

Auf einem Bergkegel im Südharz nannte Graf Elger von Hohnstein eine stattliche Burganlage sein Eigen. Die Burg diente ihm und seinen Mannen als Unterschlupf für sein ausschweifendes und räuberisches Leben. Jeder, der friedlich seines Weges zog, wurde von ihm ausgeplündert, und nicht selten verloren die Kaufleute oder Reisenden mehr als nur Geld und Gut.

Einmal erwählte er sich einen Adligen als lohnenswerte Beute, und zwar den Grafen Konrad von Beichlingen und so stürzte er auf diesen mit Mordgedanken ein. Doch kaum hatte er seine frevelhafte Tat beendet, da stürmten unzählige Kobolde, Waldgeister und Wichtel aus ihren verborgenen Höhlen, Spalten und Baumlöchern hervor. Mit von Blitz und Donner begleiteten Flüchen blockierten sie das Tal durch gewaltige Felsbrocken. Das Flüsschen Behre trat aus seinem Bett und Elgers Räubernest fand in den Fluten ein böses Ende.

Der Graf, dem Tode nah, fand in den Felsen nur noch das Nadelöhr, durch das er kroch und die auf die andere Seite des Tales gelangen konnte. So entrann er seinem unrühmlichen Untergang nur knapp.

Vor seiner Errettung hatte er gelobt, an der Stelle, wo er den Beichlinger erschlug, zur Sühne eine "Ewige Lampe" zu stiften. Das Tal der Behre öffnete sich bald wieder und der reißende Fluss konnte als Flüsschen wieder in sein altes Bett zurückkehren.

Die Lehre, die Graf Elger durch die sonst für jedermann unsichtbaren Waldbewohner erteilt wurde, machte ihn schließlich zu einem sittsamen Mann. Bald nahm er Lutrude zu seiner Gemahlin. Im Jahre 1189 stifteten sie das Kloster Ilfeld. Als Prämonstratenserkloster und später als Klosterschule, besonders unter Michael Neander, ging es, mit berühmt gewordenen Schülern, in die Geschichte ein.

Das Gemäuer des Kloster zu Ilfeld steht noch immer und wird als Klinik genutzt. Im Garten der Klinik fand die "Ewige Lampe" ihren Platz. Das Nadelöhr befindet sich an derselben Stelle wie eh und je und ist Anziehungspunkt besonders für Kinder, die an diesem Ort die Sage nachvollziehen.

 
 
 IMPRESSUM
drucken Seitenanfang
Realisierung GRAFIX21 | Agentur für Corporate- & Webdesign